Menschliche Wärme statt Brennwertkessel

Monolithische Außenwände und Naturkalk-Putz: Achteckiges Bürogebäude im niedersächsischen Garrel kommt ohne Heizung und Lüftungsanlage aus

Was haben der Leuchtturm von Calais, die Pfalzkapelle im Aachener Dom und die „Burg Solo“ in Garrel gemeinsam? Den Grundriss in Form eines regelmäßigen Oktagons. Die „Burg Solo“ ist ein modernes Bürogebäude: drei Stockwerke, naturweißer Kalkputz, 650 Quadratmeter Gesamtfläche. Wegen seiner dicken Außenwände und der tiefen Fensterlaibungen hat es tatsächlich etwas von einer Burg – und genauso wie im Mittelalter gibt es dort keine Heizung.

Doch damit enden auch schon die Gemeinsamkeiten. Denn anders als zu Ritterzeiten muss in Garrel niemand in den Büros frieren. Das Gebäude ist der Sitz des IT-Unternehmens Agmadata, einem Anbieter von Software-Systemen für die Lebensmittelbranche. Der geschäftsführende Gesellschafter, Helmut Vossmann, fungierte bei dem Bauprojekt als Investor und Bauleiter in Personalunion, um seine Vision von nachhaltigem Bauen ohne teure Klimatechnik zu realisieren. „Es ist wohl das einzige Oktagon-Bürogebäude in monolithischer Bauweise in Deutschland“, vermutet er. Mit der Kombination aus dicken Außenwänden und Naturkalkputzen gelingt es, ein angenehmes Raumklima zu schaffen.

Außenansicht des außergewöhnlichen Bürogebäudes in Achteckform mit Naturkalk von HAGA
Blick auf einen Teil eines achteckigen Bürogebäudes welches mit HAGA Naturkalk verputzt wurde
Anstrich einer Wand mit Hagasit Bio-Edelputz in feiner 0,5-Millimeter-Körnung für die horizontale Besenstruktur

Das zweischalige Mauerwerk besteht aus Porotonsteinen einer Stärke von je 36,5 Zentimetern. Zwischen den beiden Ziegelwänden bleibt eine Luftschicht von zwei Zentimetern. Daraus ergibt sich eine Gesamtstärke von 75 Zentimetern. Acht schlanke Betonsäulen nahe der Raummitte tragen das Gebäude. Alle drei Stockwerke werden über einen zentralen Schacht versorgt.

Für die Fassade wurden Naturkalk-Produkte von HAGA verwendet. Der Aufbau besteht aus einem Bio-Grundputz, einer Schicht Bio-Einbettmörtel für die Armierungsnetze und Hagasit Bio-Edelputz in feiner 0,5-Millimeter-Körnung für die horizontale Besenstruktur. Den Abschluss bildet ein Anstrich mit Hagatex Silikatfarbe. 550 Quadratmeter Außenfläche wurden auf diese Weise verputzt.

Der Vorteil von Naturkalk beruht im Außenbereich auf seiner Eigenschaft, bei Regen Feuchtigkeit aufzunehmen und sie bei schönem Wetter schnell wieder abgeben zu können. Die Fassade ist auf diese Weise nie wirklich nass, Staub und Schmutz können kaum anhaften. Auch Algen und Pilzen wird dank der natürlichen Diffusionsoffenheit die Wachstumsgrundlage entzogen.

Bürogebäude eines Oktagons, welches mit HAGA Naturkalk verputzt wurde
Leeres Bürogebäude, bei welchem HAGA Naturkalk verwendet wurde
Ausschnitt eines Bürogebäudes

Das Bürogebäude in Garrel kommt ohne eigenes Heizsystem aus. Für angenehme Temperaturen sorgen 45 Mitarbeiter mit ihrem natürlichen Wärmeeintrag von jeweils 80 Watt sowie die Abwärme des technischen Equipments wie Rechner, Kopierer, Beleuchtung und Kaffeemaschinen. Laut einer Simulation der Technischen Universität Dresden ist es auf diese Weise möglich, an 340 Tagen im Jahr 22 bis 26 Grad Raumtemperatur zu gewährleisten. Sollten nicht genug Mitarbeiter da sein, liefert der Gasbrennwertkessel eines Nebengebäudes die nötige Heizwärme, die in dem Oktagon mittels Betonkernaktivierung in Böden und Decken verbreitet wird.

Das Gebäude wird ausschließlich über die Fenster gelüftet. Deswegen kommt dem Bio-Grundputz und der Kalkfarbe in den Räumen eine wichtige Funktion beim Regulieren der Luftfeuchtigkeit zu. Denn Naturkalk kann bis zu 60 Liter Wasser pro 100 m2 Wandfläche binden. Mit einem pH-Wert von bis zu 13 sind HAGA-Produkte auf natürliche Weise resistent gegen Schimmel.

Zum Nachhaltigkeitskonzept der „Burg Solo“ gehört es auch, dass die Toiletten mit Regenwasser gespült werden. Dieses Brauchwasser könnte bei Bedarf auch zum Kühlen genutzt werden. „Bisher war es aber nicht nötig, kaltes Wasser in die Rohrleitungen in Böden und Decken einzuspeisen“, sagt Vossmann. „Wir mussten noch nie kühlen.“ Im Sommer wirken sich auch die 75 Zentimeter tiefen Fensterlaibungen, die das Innere verschatten, positiv aufs Raumklima aus.

Für eine angenehme Akustik sorgt eine abgehängte Decke aus verpresster Cellulose. Für den Boden war ursprünglich ein Linoleum-Belag geplant. Doch angesichts der vielen 45°-Winkel des Oktagons wäre beim Verlegen viel Verschnitt entstanden. Deshalb fiel die Wahl auf einen dünnen Sichtestrich.